Die Miao (chin. 苗族, Miáozú; viet. Mẹo), außerhalb Chinas auch Hmong genannt, sind ein indigenes Volk Ostasiens. Sie leben hauptsächlich in den bewaldeten Berggebieten Südchinas, Laos, Vietnams und Thailands. Sie gehören zu den Miao-Yao-Völkern und zählen allein in China deutlich über neun Millionen Menschen.
Die Geschichte der Miao (Hmong) ist schwer zu erforschen, da sie hauptsächlich aus mündlichen Überlieferungen, vor allem Mythen und Sagen abgeleitet werden muss. Darüber hinaus gibt es seit etwa 2000 Jahren reichhaltige schriftliche Aufzeichnungen über die Miao in den chinesischen Chroniken und Geschichtsbüchern. Eigene schriftliche Überlieferungen sind erst seit dem 17. Jahrhundert vorhanden, als europäische Missionare ihre Arbeit in China aufnahmen. Die ethnischen Wurzeln der Miao (Hmong) gehen vermutlich 4000 Jahre zurück.
Es ist nicht bekannt wo die Miao (Hmong) ihren Ursprung haben, aber Wissenschaftler glauben, dass sie ursprünglich aus dem Westen Eurasiens, über Sibirien und die Mongolei, bis ans Gelbe Meer und ins Einzugsgebiet des Huang He wanderten. Als Beweis für diese Theorie wird die blonde Haarfarbe einiger Miao (Hmong) angesehen, was unter ostasiatischen Menschen sonst nur bei Mongolen, Kasachen und einigen sibirischen Völkern hin und wieder vorkommt.[1]
Weiter heißt es, dass sich zur gleichen Zeit die Han-Chinesen an diesen Orten niederließen und beide ethnischen Gruppen über einige Jahrtausende miteinander co-existierten. Während die Han-Chinesen einen expandierenden Agrarstaat errichteten, wurden die Miao von der schnell wachsenden han-chinesischen Bevölkerung immer weiter nach Süden und in die Berggebiete zurückgedrängt. So wurden sie zu einer ethnischen Minderheit Chinas. Besonders während der Qing-Dynastie (1644–1911) kam es immer wieder zu Aufständen der Miao, die blutig niedergeschlagen wurden. Erst mit Gründung der Volksrepublik China erlangten die Miao eine gleichberechtigte Stellung in der chinesischen Gesellschaft.
Heutzutage sind die Miao (Hmong) eine der zerstreutesten Bevölkerungsgruppen weltweit. Sie leben vor allem in China, Vietnam, Laos und Thailand. Sie wanderten aber auch in die USA, nach Kanada, Australien und Europa aus.
Je nachdem, auf welches Territorium man sich bezieht, dienen die Namen "Hmung, "Hmu", "Meo" oder "Meau" als Synonym für "Miao" und "Hmong". Viele Miao(Hmong) außerhalb Chinas bevorzugen Varianten von "Hmong" als Eigenbezeichnung. Einige glauben, dass "Miao" im Chinesischen "Barbaren" bedeute. Tatsächlich war "Miao" vor Gründung der Volksrepublik China eine Sammelbezeichnung für verschiedene Völker Südchinas, unter der auch viele ethnische Gruppen geführt wurden, die sich nicht zu den Miao zählen. Miaozu (苗族), also "Miao-Volk" hat aber überhaupt nichts mit den chinesischen Begriffen für Barbaren zu tun und würdigt die Miao auch in keiner Weise herab. Aus diesem Grund ist auch von den Miao Chinas keinerlei Unzufriedenheit mit ihrer Bezeichnung bekannt. Aus der Sicht vieler Miao außerhalb Chinas bedeutet Hmong "freie Menschen". (siehe: Hmong Women and Reproduction), was ihren Wunsch nach einem Leben in Freiheit zum Ausdruck bringt. Die tatsächliche Bedeutung des Wortes ist allerdings unklar, vermutlich handelt es sich – so wie "Meo" und "Meau" – einfach nur um eine andere Aussprache des chinesischen Schriftzeichens miao (苗).
Weltweit sind 70–80 verschiedene Gruppen bekannt, die sich vor allem an der Kleidung unterscheiden.
„Eine Familie zu haben bedeutet glücklich zu sein. Keine zu haben, bedeutet verloren zu sein.“
Hochzeiten zwischen Angehörigen des gleichen Stammes sind nicht üblich, wohl auch, um Inzucht vorzubeugen. In der Regel heiratet dabei ein Mann so viele Frauen, wie er ernähren kann. Stammesmitglieder bezeichnen sich untereinander als Geschwister. Benötigt ein Mitglied Hilfe, so wird ihm diese von seinem Stamm gestellt, auch wenn keine persönliche Beziehung zwischen den Betroffenen bestehen sollte.
Die Familie ist die wichtigste Institution im Leben der Miao. Verantwortung und Autorität einzelner Familienangehörigen sind altersabhängig. Je älter eine Person, desto mehr Autorität besitzt sie. Entscheidungen der Familienältesten werden daher immer – im Gegensatz zu Entscheidungen anderer Stammesangehöriger – hingenommen und nicht hinterfragt. In dieses System gehört auch, dass sich jedes ältere Kind für das nächst jüngere innerhalb der Familie zu verantworten hat. Letztendlich ist bei dieser Art der Pflichtenverteilung das älteste Kind für alle jüngeren vor seinen Eltern verantwortlich. Im gesellschaftlichen Kontext haben Eltern daher weniger Einzelverantwortung für ihre Kinder als in anderen menschlichen Ordnungssystemen.
Jedes Familienmitglied hat eine spezielle Funktion auszufüllen. Dies gilt auch für die Ältesten, denn diese werden wegen ihrer großen Lebenserfahrung geschätzt. Ratschläge werden daher zumeist bei den Großeltern eingeholt. Diese und die anderen Ältesten helfen auch bei der Kindererziehung.
Traditionell sind die Männer und ihre ältesten Kindern für die Nahrungsbeschaffung zuständig. Dazu gehen sie entweder jagen, oder betreiben Landwirtschaft. Außer Näharbeiten müssen sich die Frauen um eventuell vorhandene Tiere kümmern. Weiterhin müssen sie alle anfallende Arbeiten erledigen, die ihnen von ihren Männern oder engeren Verwandten aufgetragen werden.
Die Sprachen der Miao (Hmong) gehören zur Sprachgruppe der Hmong-Mien-Sprachen (Miao-Yao-Sprachen). Es gibt mehrere Schriftsprachen.
Chinesische Wissenschaftler zählen die Miao-Yao-Sprachen in der Regel zur Sprachfamilie der sinotibetischen Sprachen.
In China werden auch Menschen der Miao-Nationalität hinzu gerechnet, die nicht Miao sprechen. In Chengbu und Suining (Hunan), in Longsheng und Ziyuan (Guangxi) und in Jinping (Guizhou) gibt es Miao, die Chinesisch sprechen (insgesamt etwa 100.000); in Sanjiang (Guangxi) werden Sprecher der Dong/Gaeml-Sprache den Miao zugerechnet (über 30.000); in der Inselprovinz Hainan werden Yao-Sprecher den Miao zugerechnet (über 100.000).



